„Schule ein bisschen besser machen“

„Schule ein bisschen besser machen“ – zwei Grundschulpädagogen im Gespräch …
Daniela und Enrico fragen sich: Warum bist du Lehrer/in geworden? Was würdest du gerne an Schule verändern? Was haben unsere Fächer gemeinsam?

  • Warum bin ich Lehrer/Lehrerin geworden?

Daniela: Das geht bei mir kurz und knapp;-). Ich hatte die beste Grundschullehrerin aller Zeiten. Ich habe das, was und wie sie es lehrte, geliebt. Damals mit 7 war mir klar: Das und nichts anderes werde ich später machen!

Enrico: Eine Frage, die jeder Lehrer gern beantwortet. Der ausschlaggebende Punkt war, dass ich mit meiner Familie in einer Schule gewohnt habe, ja gab es, da meine Eltern das Hausmeisterehepaar waren. Ich habe in den Ferien immer im Hort geholfen und weil viele meiner tollen Lehrer mir den Lehrerjob vorschlugen, bewarb ich mich am Institut für Lehrerbildung in Cottbus. Aufnahmeprüfung brauchte ich nicht machen, da ich der einzige 16 jährige junge Mann war, der freiwillig die Ausbildung zum Schulgartenlehrer machen wollte. Und so begann mein Studium 1988 und dauerte dann doch 6,5 Jahre.

Daniela: Irgendwo dazwischen trafen wir uns! Im Gegensatz zu dir verbrachte ich nächtelang mit Malen und Zeichnen. Ich musste eine lange Aufnahmeprüfung absolvieren. Kunst in allen Varianten habe ich im Studium und im Referendariat in Berlin ausprobiert. Vergessen werde ich nie, dass du zu meiner letzten Kunstprüfung vor der Tür gewartet hast und das, obwohl du Kunst nur halb so berauschend fandest…

  • Was würdest du gerne an Schule verändern?

Daniela: Verändern würde ich als erstes in der Grundschule den einzelnen Klassenlehrer vom Einzelkämpfer zur Zweierbesetzung. Es gehört ein Team in jede Klasse –  möglichst sehr unterschiedlich in seiner Art, um ganz verschiedenen Charakteren optimale Förderungen zu ermöglichen. Wir hätten also keine Chance, gemeinsam ein Team zu bilden;-)

Enrico: Oh ja, die Schule von heute hat sich ganz schön verändert. Schüler, Lehrer und Eltern sind heute andere Menschen. Oft arbeiten sie nicht mehr zusammen, sondern gegeneinander. Die Schüler merken das und einige nutzen so etwas natürlich aus. Die Zusammenarbeit aller Beteiligten ist wichtig, dazu zählen für mich Kollegen, Sonderpädagogen, Sozialarbeiter, Psychologen, Eltern, Schüler, das Schulamt, das Ministerium und auch das Jugendamt. Jeder arbeitet für sich und oft gehen die Kinder total unter. Da fällt ein Schüler schneller in den Brunnen , bevor die anderen eine Lösung vereinbart haben oder überhaupt begonnen haben. Auch fehlt mir das fächerübergreifende Unterrichten und nicht nur im Schulgebäude. Es gibt so viele Möglichkeiten, Unterricht außerhalb der Schule zu machen. Projekttage oder -wochen zu einem Thema in allen  Fächern behandeln. Ein Beispiel wären Diagramme. Nicht nur ein Mathethema, sondern auch gut nutzbar im Sachunterricht (Befragen von Menschen außerhalb der Schule), im Kunstunterricht (Gestalte ein interessantes Plakat), in Deutsch (Präsentiere dein Diagramm) usw.
Den Posten des Schulleiters als Team besetzen. Es gibt Leute, die können super Konzepte schreiben, andere gut präsentieren, ein weiterer kennt Leute, die in der Schule helfen können. Dann liegt diese riesige Verantwortung auf mehreren Schultern.
Auch Eltern könnten noch mehr die Schule unterstützen. Es gibt sehr viele Helfer (Leseomas, Schulfeste,…), aber warum nicht Arbeitsgemeinschaften anbieten, Unterstützung bei den Pausenaufsichten, ein gesundes Frühstück organisieren und anderen Eltern zeigen. Es gibt bestimmt viele Möglichkeiten.

Daniela: Projekte finde ich auch großartig!  Sie lassen viel Raum für Kreativität und erwecken Schule zum Leben. Aktuell starte ich mit Hilfe einer Stiftung gerade das Kunstprojekt „Feuerwerk der Farben“.

  • Was haben unsere Fächer gemeinsam?

Enrico: Das Ausprobieren und die eigene Kreativität. Klar muss man bestimmte Grenzen einhalten (Vorgaben in der Kunst, Regeln beim Gärtnern), aber zu sehen, was ich mit eigenen Händen schaffen kann, regt die Möglichkeiten bei den Schülern an. Das Thema Kartoffel oder Getreide passt gut in den Schulgarten, aber auch zu Kunst (Kartoffeldruck, Getreide zeichnen). Und am Ende kann man Getreide mahlen und die Kartoffeln auch noch essen. Meine Schulleiterin war Kunstlehrerin und hat im Unterricht erschreckend festgestellt, dass viele keine Bäume zeichnen können. Also Schüler, Papier und Stifte geschnappt und raus in die Natur und Bäume angeschaut und nachgezeichnet. Der Baum hat keinen Kreis auf einem Rechteck, sondern verzweigt sich.

Daniela: Jetzt muss ich lachen. Der Baum hat keinen Kreis… Naja, Strukturen und   geometrische Formen helfen ganz oft, zeichnerisch zum Erfolg zu kommen. Und am Ende stellt man fest, so frei ist die Kunst gar nicht. Das große Gewicht der Kunst liegt schon im Entfalten kreativer Gedanken, die uns an unsere Urzeiten erinnert. Wie oft suchen wir im Außen nach etwas, doch alles liegt in uns. Kunst geht sehr in die Tiefe, sei es so etwas Banales wie Farbwahl und Formwahl. Sie heilt sogar, lässt uns in der Auseinandersetzung verstehen…                
Jeder hat auch so sein Gebiet. Auch die Natur und damit Schulgarten sind voller Formen und Farben. Auch hier kann man sich kreativ bewegen, Kraft          tanken und Erholung finden. Beides sind Fächer, die auf ganz wunderbare  Weise das Lernen mit Kopf, Hand und Herz verbinden.

Enrico: Man sollte nicht nur in der eigenen Schule einen Austausch fächerübergreifend durchführen (was oft nicht getan wird), sondern im eigenen Bundesland und sogar deutschlandweit. Da sind Freunde, nette Kollegen, Bekannte und weitere engagierte Kolleginnen und Kollegen an  den Schulen tätig. Das ist ein riesiger Pool an Wissen, Ideen, Erfahrungen und Gesprächsstoff.

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